4. Stehen die Kosten für die Web Controlling Lösung in einem sinnvollen Verhältnis zum Umsatz und zur sonstigen Kostenbasis? Erwarten wir, mit einer kostenpflichtigen Lösung erhebliche Potenziale auf der Kostenseite und auf der Umsatzseite zu identifizieren?
Für die Einbindung kostenpflichtiger Lösungen zum Webcontrolling gibt es im Großen und Ganzen zwei Varianten

1) ASP (= Application Service Provider) - Trackingserver und Software werden von dem Web Controlling Tool Anbieter (oder von ihm beauftragten Dienstleistern) gestellt. Diese Variante wird besonders von kleineren und mittleren Webseiten genutzt. Der Preis der Web Controlling Lösung richtet sich hierbei oft nach der Anzahl der Pageimpressions. Einige Lösungen sind bereits ab ca. 100€ -150€ pro 1 Mio. Pageimpressions im Monat zu haben.

2) Eigener Tracking-Server mit Tracking-Software: - Hierbei lizenziert der Web Controlling Tool Anbieter seine Software an den Webseitenbetreiber und installiert diese auf einem dedizierten Tracking-Server des Webseitenbetreibers. Diese Variante lohnt sich oft erst für große Webseiten, bietet aber deutlich mehr Flexibilität (z.B. Customizing der Software, Einsatz der eigenen Domain für das Tracking). Da diese Variante jedoch oft mit einem relativ hohen Festpreis verbunden ist (ab ca. 6000€ Lizenzkosten zuzüglich Installation und Updates), lohnt sich der Einsatz erst ab einer bestimmten Größe.

Um abschätzen zu können, ob der Einsatz einer kostenpflichtigen Web Controlling Lösung betriebswirtschaftlich Sinn macht, sollten im ersten Schritt die Gesamtkosten pro Jahr in eine Größe umgewandelt werden, die mit der Umsatzseite vergleichbar ist. Hier bietet sich oft der TKP oder - abgeleitet aus dem TKP - der CPC an.
Beispiel: Die Webseite hat pro Monat im Durchschnitt 1 Millionen Pageimpressions und möchte eine ASP-Lösung zum Web Controlling einsetzen, die 250€ pro 1 Millionen Pageimpressions im Monat kostet. Dies bedeutet 0,25€ für 1000 Pageimpressions (250€ / 1.000.000 PIs) als Vergleich zum TKP an laufenden Kosten.

Im nächsten Schritt sollte überlegt werden, welchen Wertbeitrag man sich vom Webcontrolling erwartet und wie sich die Kosten mit dem derzeit generierten Umsatz vergleichen. Als grober Richtwert gilt, dass für eine Lösung ohne weitergehende Begründung (z.B. hohe Umsatzpotenziale, signifikante Kostenoptimierung) nicht mehr als 5% des Umsatzes ausgegeben werden sollte. Das bedeutet, dass die Webseite mindestens einen Netto-TKP von 5€ generieren sollte. Erfolgt die Monetarisierung der Webseite über CPCs oder CPLs so kann man diese über ihr Verhältnis zu Pageimpressions hilfsweise auf einen TKP umrechnen.
Beispiel: Pro 1000 Pageimpressions generiert eine Seite 50 Leads. Ein Lead wird mit 0,2€ netto vergütet. Es ergibt sich ein rechnerischer Netto-TKP von 10€.

Zusätzlich kann man vergleichen, wie hoch z.B. die Marketing-Kosten pro 1000 Pageimpressions sind, um ein Gefühl zu bekommen, wie sich andere Kostenpositionen zu den Kosten für eine Web Controlling Lösung verhalten.

Sollten die Kosten der Web Controlling Lösung weit über dem 5%-Anteil am Umsatz liegen, ist es wichtig, zu hinterfragen, ob von dem Einsatz der Lösung die Aufdeckung großer Einsparpotenziale oder die Erschließung signifikanter Umsatzpotenziale zu erwarten ist. Diese Fälle sollten genau eruiert, quantifiziert und mit einem Umsetzungszeitplan versehen werden. Sonst besteht die Gefahr, dass der Einsatz einer kostenpflichtigen Lösung betriebswirtschaftlich auch mittel- bis langfristig keinen Sinn macht.


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