Wenn man sich als Seitenbetreiber fragt, ob die derzeitig im Einsatz befindliche Gratis Web Controlling Lösung durch eine kostenpflichtige Lösung ersetzt werden sollte, kann die nachstehende 5-Punkte-Checkliste als Entscheidungshilfe dienen:

1. Werden unsere Ansprüche an die Geschäftssteuerung von der im Einsatz befindlichen Web Controlling Lösung nach wie vor erfüllt? Wenn nein, was genau fehlt/bleibt hinter unseren Erwartungen zurück?

Beispielsweise Datendownload: Gratis Web Controlling Tools erlauben teilweise keinen Download der gesammelten Daten oder der Datendownload ist zwar möglich, aber die Form bzw. das File ist nicht oder nur mit erheblichem Aufwand für Analysen weiterverwendbar, weil z.B. Daten aggregiert sind oder header und footer in der Datei enthalten sind und aufwändig manuell entfernt werden müssen.

2. Ist es für uns akzeptabel, dass die Web Controlling Daten unserer Website ohne unsere vorherige Zustimmung von Dritten eingesehen und genutzt werden können? Haben wir unsere Nutzer hierüber ausreichend informiert?
Viele Gratis Web Controlling Lösungen behalten sich vor, die gesammelten Daten selbst zu nutzen und mit Dritten zu teilen. Oft ist ein entsprechender Passus mehr oder weniger verklausuliert in den privay statements enthalten. Unabhängig davon, ob es für einen Webseitenbetreiber ok ist, dass die internen Daten von Personen oder Firmen weiterverwendet werden, die sie oder er nicht kennt, läuft der Webseitenbetreiber Gefahr, die deutschen Datenschutzgesetze zu verletzen - mehr dazu im nächsten Post.

3. Hat die Seite genug Traffic, um eine Datenmenge zu sammeln, die selbst bei detaillierten Analysen noch statistisch signifikante Ergebnisse sicherstellt?

Kostenpflichtige Web Controlling Lösungen bieten deutlich erweiterte Drill-down- und Analysemöglichkeiten im Vergleich zu vielen Gratis-Lösungen. Um verläßliche Aussagen zu bekommen, sollte eine Mindestmenge an Datenpunkten pro Auswertungseinheit nicht unterschritten werden. Anhaltspunkt liefert hier das sogenannte “Gesetz der großen Zahl”, nach dem die Mindestdatenmenge pro Auswertung bei 50 Datenpunkten liegt. In einem der nächsten Posts wird anhand eines Beispiels erläutert, wie man für seine Webseite ableiten kann, was mindestens an monatlichen Nutzern und Pageimpressions auflaufen sollte.

4. Stehen die Kosten für die Web Controlling Lösung in einem sinnvollen Verhältnis zum Umsatz und zur sonstigen Kostenbasis? Erwarten wir, mit einer kostenpflichtigen Lösung erhebliche Potenziale auf der Kostenseite und auf der Umsatzseite zu identifizieren?
Kostenpflichtige Lösungen richten sich preislich oft nach der Anzahl der Pageimpressions (mehr dazu in einem Post nächste Woche). Einige Lösungen bekommt man für ungefähr 100€-150€ pro 1 Mio. Pageimpressions im Monat. Dies bedeutet 0,1€ - 0,15€ für 1000 Pageimpressions als Vergleich zum TKP allein an laufenden Kosten nur für die Lösung. Als grober Richtwert gilt, dass für eine Lösung ohne weitergehende Begründung (z.B. hohe Umsatzpotenziale, signifikante Kostenoptimierung) nicht mehr als 5% des Umsatzes ausgegeben werden sollte. Das bedeutet, dass die Webseite mindestens einen TKP von 2€-3€ generieren sollte.

In einem Extra-Post nächste Woche werden wir weitere Richtwerte und Möglichkeiten der Abschätzung aufführen - grundsätzlich bieten all diese einen Anhaltspunkt, sind aber keineswegs als exakte Wissenschaft zu verstehen. Die Entscheidung ist sehr individuell nach Kenntnis des Kontextes der Website zu treffen.

5. Haben wir Zeit und Ressourcen für die Implementierung einer neuen Lösung bzw. dann auch für die kontinuierliche Nutzung und Betreibung?

Voraussetzung dafür, dass eine kostenpflichtige Lösung die “PS auf die Straße bringt”, ist ein strukturiertes Vorgehen bei der Auswahl, der Einführung und der Nutzung. Der Webseitenbetreiber sollte wissen, welche Kennzahlen getracked und ausgewertet werden sollen, wer dies übernehmen soll und wieviel Zeit hierfür zur Verfügung steht. Eine kostenpflichtige Lösung, die nicht richtig verwendet wird, ist wie ein Ferrari, der zweimal im Quartal zum Brötchenholen beim Bäcker um die Ecke aus der Garage gefahren wird. Ohne weiter auf Autos einzugehen werden wir diesen Punkt im letzten Post der kommenden Woche näher beleuchten.


1 Response to “Kostenpflichtiges Web Controlling Tool - ja oder nein? - 5-Punkte Checkliste”

  1. 1 Web Analytics Bloglinks der Woche (KW 15 / 2008) | Web Analytics & SEO - News

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